Vegane Pizza, aber Drogen nehmen

Alles scheiße.
Mein Experiment: missglückt. Wieder nichts gespürt, wieder nicht losgelassen, wieder trister Alltag.

Da bereitete ich gestern alles vor: war einkaufen, hab Wäsche gewaschen, Notfallköfferchen bereitgestellt, genug zu trinken, genug zu essen, Hund versorgt – und was ist? Nix.

Nachdem ich meine vegane Pizza gegessen hatte, hielt ich die Nase an das Puder. Das Problem war schon die Dosierung. Ich hatte 500 mg geordert, bekommen habe ich ein kleines Tütchen. Im Netz schlau gemacht: 20 mg als Einstieg. Ja, klasse, wie sollte ich das jetzt abmessen?
Scheißegal. Hatte mich darauf geeinigt, den kleinen Finger reinzuhalten und ab geht’s. koksen

Es sollte 15 bis 30 Minuten dauern, bis man die ersten Anzeichen spürt.

Erster Durchlauf…

Fuck. Ich wette, ich hatte zu wenig drauf.

Noch mal ’ne Prise genommen.

 

Nach einer weiteren halben Stunde…

Dass kann‘s doch nicht sein!

Noch ne Prise genommen.

Diesmal so viel, dass ich kleine Klümpchen am Finger hatte. Yooooh, jetzt merkte ich was. Von der Reizung der Schleimhäute hatte ich gelesen. Dass es so sehr schmerzt, damit hatte ich nicht gerechnet. Fuuu-H-uuuck. Das tat weh. Aber okay, ich bin Borderliner, stell dich nicht so an.

Ne Stunde gewartet…

Hier kann etwas nicht stimmen!

 

Noch ’ne Prise genommen.
Und noch eine weitere hinterher.

 

Bei wie viel mg ich mittlerweile war, keine Ahnung, war mir auch scheißegal. Ich wollte, dass es wirkt. Ich wollte Farben und Muster. Ich wollte Leichtigkeit. Lachflash und Wellen. Stattdessen hatte ich eine verstopfte Nase. Meine Laune verstopfte auch mehr und mehr.

Noch ’ne Prise.

Mittlerweile war es halb elf. Hier kann ETWAS nicht stimmen!!! Warum wirkte die Scheiße nicht?! Was hatte ich verbrochen, dass ich nicht mal vernünftig Drogen konsumieren konnte?!

Drauf geschissen².

Ich holte mir ein Glas. Der Vodka schmeckte mir heute nicht. Ich wollte die Drogen haben, um vom Alk wegzukommen. Stattdessen trank ich aus Frustration, weil die Scheiße nicht wirkte.

Ich trank zwei Gläser. Führte ein, zwei Gespräche. Ich war pissed. Zu Recht, wie ich fand.

Gegen halb zwei gab ich’s auf und ging ins Bett.

Konnte nicht schlafen. Wollte meinen Trip. War sauer.

 

Scheiß Träume. Dankeschön.

 

Der Wecker klingelte. Ich wachte schon mit mieser Laune auf. War gerädert, müde vom schlafen. Ging mit dem Hund. Alles ist wie immer. Ich machte mir ’nen Kaffee und setze mich vor Facebook. Meine Laune sank mit jedem scroll. Fucking Bullshit Arschloch Wichse. Echt mal.

Kein Bock meine täglichen Psychopharmaka zu schlucken. War sauer auf sie. Sie waren schuld. Sie sind der Grund, warum ich verseucht bin. Scheiß Zeug. Mit bösen Blick funkelte ich sie an. Diese Pillen bringen einen Scheiß!

Schmollend überlegte ich, wie ich den Tag meistern sollte. Ich wusste nichts mit mir anzufangen. War leer. Fühlte mich hohl. Am liebsten hätte mir gleich wieder die Decke über den Kopf gezogen. Es ist die einzige Realitätsflucht, die laut DBT und BtMG legal ist. Ich spielte mit dem Gedanken meine Benzos – mein Diazepam – ausfindig zu machen. Es war knapp vor Mittag. Meine Laune stand auch auf Punkt 12. Meine Ideen wurden immer strainger. Cuttermesser, Diazepam und Vodka waren gleichauf im Ranking. Die Alternative wäre schlafen… Ach, alles ist doof. Essen doof. TV doof. Buch doof. Leben doof. Selbst Hund ist doof. Alle sind doof. Ich bin doof.

 

Also was jetzt? Cutterklinge, Diaz oder Vodka?

 

Bah, scheiß Vodka. Ich mochte keinen Vodka mehr.

Ich war so unschlüssig wie eine 9-jährige bei ihrer Berufswahl: Tierärtzin, nein, Prinzessin, Krankenschwester, DSDS-Kandidatin!

Cutten wäre auch scheiße. Der linke Arm voller Tattoos und ich hatte keinen Bock, den Rechten zu nehmen. Die Klinge ließ sich nicht so schön führen mit links.

Um an meine Diaz‘ zu kommen, müsste ich hin und her telefonieren, mich ins Auto setzen und fahren. Kein Bock.

Boar scheiße, ich halte es nicht mehr aus. Ich will nicht mehr!

Zurück zum Anfang. Wie war der Plan noch mal? Wenn das Zeug nicht wirkt, dann versuch‘ ich LSD. Wenn LSD nicht funktioniert, bleibt mir nur noch Koks.

Noch ist nichts verloren!, schreit die 9-jährige voller Euphorie und hüpft durch den schallisolierten wattebepackten Raum in meinem Kopf.

Bullshit!

Wetten, dass ich davon auch nichts merke?

Ich bin verflucht.

Dabei bin ich so ein guter Mensch. Sogar meine Pizza ist vegan!

 

Es wird dir nichts im Leben geschenkt.

Nix. Gar nix.

Fickfinger.

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