Suck it, Baby! – Wenn Säuglinge sexuell missbraucht werden

Ich kann dieses ganze gechatte, Mediengehure, nicht mehr ab. Die Themen, die Resultate, Entwicklungen. Ich trigger schon bei dem Tastengeräusch. Ich schwör, ich hörs‘ bis hier. Ich kann Wörter und Sätze an Tippschnelligkeit und Takt erkennen. Ich könnte kotzen. Ich muss das „gestatten“; erlauben; drüber stehen; erwachsen sein. Fakt ist: Ich will töten.

Ich komme mir vor, als wäre ich jedem Tag im Krieg. Ich belauere meinen Feind und checke, wann und womit er angreift. Ich komme mir vor, als müsste ich gegen die ganze Welt kämpfen und habe dafür nur ein Obstmesser zur Verfügung.

Ich merke, ich schaffe das nicht mehr. Liegt es am Alter? Liegt es an diesem sterbenden Körper?

Pillen, Alk, Insulin, Dopamin, Endorphine – aus dem Obstmesser wird eine säurehaltige Bombe. Alles vermischt sich zu einer explosionsartigen Mischung, die jederzeit hochgehen kann. Und ja, sie geht hoch! Und dann sterben Menschen. Ich sehe die Opfer da liegen: verätzt, eine blutige schleimige und nicht-identifizierbare Masse. Die Nachrichten berichten darüber. Ich selbst habe ebenfalls etwas abbekommen. Aber das spielt keine Rolle.

Ich schwör‘ bei Gott, wenn ich noch einmal irgendeinen Scheiß über Vertrauen hören muss, dann schieß ich demjenigen ins Gesicht. Wollen wir mal über Vertrauen reden? Über Urvertrauen? Dieses Vertrauen, was Eltern und Fürsorgepflichtige ihren Kindern entgegen bringen? Anstatt in Sicherheit wurde ich in eine kack-Welt reingeboren, die der fischigen Hafenbrutstätte von Jean-Baptiste Grenouille in nichts nachsteht. Es war schmutzig, real und mit Bakterien sowie anderen Widrigkeiten der Menschheit verdorben. Anstatt Schnuller habe ich Schwänze in den Mund gesteckt bekommen. Man glaubt es nicht, aber ich erinnere mich. Ja, sehr genau sogar. Immer wenn ich an den Punkt mit dem Vertrauen komme, kommt mir dieses Bild in den Sinn. (Schnauze Kackbambi, wir reden über diesen Teil nicht!) Dabei würd ich dir so gern all die Stories erzählen; dir klarmachen, was mich so zum kotzen bring, wenn man mir erklären will, dass ich doch Vertrauen haben soll. Vertrauen ist ein Synonym für Betrug. Trugbild. Bildlich.

Zugegeben, ich bin paranoid. Ich sehe Herzchen, Ballons und Likes und denke, es ist eine Mischung aus Geheimsprache und Offensichtlichkeit. Panik und Wahnvorstellungen ergreifen Besitz von dem Teil von mir, wo andere Vertrauen, Zuversicht und Liebe sitzen haben. welcome to paraonoia.

Aber, wer wäre das nicht bei sexuellem, emotionalen und körperlichen Missbrauch? Hört sich immer so sachlich an, aye, aber sich nicht mal richtig die Zähne zu putzen können, weil man es nicht schafft sich etwas langes dünnes in dem Mund zu stecken …
– Ist das noch sachlich genug, ohne dass du dir bildlich vorstellen musst, wie es ist so ein Ding in dem Mund zu haben?

Ach, c’mon, wir zieh‘n die Scheiße jetzt durch:

Stell dir vor, du bist ein Säugling (Triggerwort!). Stell dir vor, du hast Hunger (Triggerwort!). Stell dir vor, du musst irgendjemanden vertrauen (Triggerwort!), dass er dir das gibt, was du benötigst. Stell dir vor, du liegst im Bettchen. Stell dir vor, du trägst einen Strampler, der dich allumfassend umgibt und dir Schutz bieten soll. Stell dir vor, du hast eine kleine Bettdecke, die die Monster fernhalten soll, sofern du die kleinen Füßchen immer schön darunter versteckt. [Ich spoiler mal: Es hilft einen Scheißdreck.]
Reich mir deine Hand, komm mit zu dem Bettchen.
Sei Beobachter und Hauptdarsteller in einem: Beachte das Licht, diffus. Die Luft: erst klar, aber mit jedem näherkommen des Schattens wird sie feuchter, drückender. Geilheit und Vorfreude liegen in der Luft. Stell dir vor, du ahnst (noch) nichts Böses. Stell dir vor, jemand beugt sich über dich. Stell dir vor, ein Schwanz wird rausgeholt. Stell dir vor, er steckt es dem Baby in den Mund. Stell dir vor, du würdest das sehen. Stell dir vor, du wärst dieses Baby. Schmecke die Vor-Wichse genau wie die … Unverständnis. Ja, das ist das Gefühl, was am meisten zurück geblieben ist: Unverständnis. Wider der Natur. Was passiert hier grade? Du weißt, etwas stimmt nicht, ist falsch, aber du hast noch nicht die Gehirnkapazitäten, um es zu verstehen. Es nistet sich bei den Gefühlen ein – bei den Emotionen; gleich neben der Region im Gehirn, wo Vertrauen angesiedelt ist.

Ich hasse mich dafür, Dinge zu brauchen.
Hungrig zu sein.
Hilflos zu sein.
Abhängig zu sein.
Vertraut zu haben.

Ich weiß noch genau, wie ich gesogen habe. Wie gierig ich gelutscht habe. Ich kenne das Gefühl in meinem Mund, und ja, selbst der fahle käsige und leicht salzige Geschmack ist mir im Gedächtnis geblieben.
Ich habe mitgemacht.
Das ist die Erkenntnis, die kein Alk, Pillen, Drogen, Ritzanfall der Welt verdrängen kann. Ich bin Mittäter. Komplize. Ich habe gesogen, gelutscht, Lust verschafft. Was war ich schon damals für ein verhurtes Baby? Aus mir konnte gar nichts Richtiges werden. lol.

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Ich gehöre zu den Kindern, den Menschen, die den jüngsten Blowjob aller Zeiten vollführen durften. Wir sind nicht viele – wir sind exklusiv. Nicht viele Erwachsene brechen dieses Tabu. Opfer erzählen oft von der Scham des „Saugreflexes“ (= Hunger), von dem Gefühl, der Bedrohung, wenn sich jemand über dich beugt, Würgreflex, Erstickungsgefühl, Körpererinnerungen. Vieles ist so un-beschreibbar und un-fühlbar, weil Teile des Gehirns noch gar nicht so weit entwickelt sind, dass es sie verarbeiten und bewerten können. Aber es ist in uns. Für immer.
Der Gencode wurde geändert.

Ich habe früh gelernt: Wenn ich Bedürfnisse habe (Nähe, Liebe, Vertrauen, Zuversicht, Wärme und Nahrung), dann kriege ich einen Schwanz in den Mund gesteckt mit den aufmunternden Worten: Suck it, Baby.

Also komm mir nicht mit Vertrauen.

  1 comment for “Suck it, Baby! – Wenn Säuglinge sexuell missbraucht werden

  1. Teremas
    31. Mai 2017 at 11:21

    Man kann sich nur bedanken… Man kann nicht einmal erahnen wie tief so etwas sitzen muss; Wie schrecklich es ist.
    Man kann nicht einmal erahnen wie schwer es sein muss so etwas traumatisches hier der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
    Aber man kann sich bedanken. Bedanken für diesen schonungslos ehrlichen Einblick in die Seele eines Menschen und in eine Szene, die so weit weg und unrealistisch erscheint und trotzdem ganz real ist, sicher auch irgendwo direkt um die Ecke.

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