“Purge” – Missbrauchsopfer-Edition

Sie klopft an die Tür. Ich finde das irgend stilvoll. Sie nimmt nicht die Klingel, wie andere Menschen es tun würden.

Die Tür geht auf.

Sie haut ihr direkt eine rein.
Der Schlag sitzt.
Sie taumelt zurück.
Ich bin beeindruckt, dass sie so fest zuschlagen kann.

Wir treten ein.

Ich helfe ihr, indem ich ihr auch einen Schlag versetzte. Er sitzt ebenfalls. Sie geht zu Boden. Ich packe sie, fixiere sie. »Wohin?«, frage ich.

»Da rein«. Sie zeigt auf die Tür links. Ich zerre sie über den Boden in den Raum.

Sie setzt sich auf sie drauf. Holt das Messer raus. Hält es ihr an den Hals. »Halt die Fresse. Wag‘ es nicht, zu schreien.« Sie wird nicht schreien – vorerst. Sie ist geschockt. Ich glaube nicht, dass sie damit gerechnet hätte.

Ich lasse sie tun. Sie soll es ausleben. Ich bin nur hier, um zu unterstützen. Sie beginnt damit, ihr eine Menge Dinge zu sagen. Sie spricht übertrieben ruhig, und ich weiß, wie sehr es in ihr brodelt. Ihre Hand, die das Messer hält, zittert ein wenig. Adrenalin – nicht Angst oder Unsicherheit. Sie noch war nie so sicher, wie jetzt gerade in diesem Augenblick.

Sie rutscht etwas nach unten, um den Bauch freizulegen. Der Bauch, in dem sie 9 Monate gelebt hat. Dieser Brutkasten hat sie zur Welt gebracht, nur, um sie dann systematisch zu zerstören. Jahrelang. Zurückweisung, Erniedrigung, Enttäuschung, Schläge und Missbrauch.

Mir rauscht das Blut in den Ohren und in den Schwanz; ich bin geil, ich kann kaum etwas davon verstehen, was sie ihr sagt, aber muss ich auch nicht. Ich kenne die Geschichten.

Der erste Schnitt geht ihr längs über den Bauch.

Sie ist Profi. Sie weiß, wie tief sie die Klinge setzen muss. Sie hat es Jahrzehnte lang an sich selbst geübt. Dieser Schnitt geht aber tiefer. Ich weiß, sie muss sich beherrschen, um sie nicht gleich abzuschlachten. Das Blut läuft an der Seite herab.

Jetzt fängt sie an, sich zu wehren. Realisiert den Ernst der Lage.

Ich trete ihr ins Gesicht. »Hör ihr zu«, warne ich sie. »Sei gefälligst still.«

Unter meiner Maske juckt es. Mir läuft der Schweiß. Ich nehme sie ab.

Sie redet weiter, während sie noch einen Schnitt macht. Für jedes Vergehen einen Schnitt. »Weißt du noch …« Und: »Kannst du dich erinnern, dass du es zugelassen hast?« Und: »Hast du eine Ahnung, was du uns damit angetan hast?« Sie kommt richtig in Fahrt. Worte und Schnitte prasseln auf die am Boden liegende Frau ein. Ich guck mir das Ganze an und bin begeistert über ihre Dominanz und Entschlossenheit. Ich für meinen Teil hätte sie schon längst abgeschlachtet, aber sie bleibt ruhig und hält ihre Rede. Ihre Mutter hört zu, hoffe ich zumindest. Ich weiß nicht, ob ich ihr folgen könnte, wenn sie auf mir drauf säße und mir all die Vorhaltungen machen würde.

Die Einleitung ist vorbei. Wir kommen jetzt zum Hauptteil.

Mit Schwung sticht sie die Klinge in sie hinein; genau in die Niere; glaube ich zumindest, denn ich bin kein Arzt. Sie schreit auf. Zappelt. Will weg. Überlebenstrieb. Ich gehe zu ihren Beinen und fixiere sie. Unter ihr bildet sich eine Pfütze. Pisse, kein Blut. Ich gönn’s ihr von Herzen. Ja, mach dir bloß ordentlich ins Höschen. Ich hoffe, du stirbst fast vor Angst.

Hinter ihr stehend sehe ich dabei zu, wie sie dazu übergeht, ihr die Klinge ans Gesicht zu halten. Man sieht ihre Ähnlichkeit ganz deutlich. Leider ist sie tatsächlich ihre leibliche Mutter. Ich hätte ihr etwas anderes gewünscht, aber dieses Gesicht lässt keinen Zweifel offen.

Sie verpasst ihr ein Grinsen.

Es muss höllisch wehtun, als sie die Klinge (AMAZON, 175,40 Euro) von ihrem Mundwinkel nach oben gezogen wird.

»Why so serious?«, kichere ich.

»Echt jetzt? Muss das sein?«

»Sorry.«

Das Blut läuft aus ihr heraus. Ihr Herz muss ordentlich pumpen.

»Willst du ein Handtuch oder so?«

»Nein. Mir gefällt es so. Sie soll ausbluten.«

Nächster Mundwinkel. Sie schreit wie am Spieß.

Ich greife in die mitgebrachte Tasche und hole das Panzerklebeband hervor. »Warte«, sage ich und will ihr den Mund zukleben.

»Halt!«, meint sie aufgeregt. »Ich will ein Selfie davon machen.« Sie holt das Smartphone aus der Hosentasche und beugt sich zu ihr hinunter. Es klappt nicht so, wie sie sich das vorstellt und flucht. Ich gehe zum Kopf ihrer Mutter und halte ihn von hinten hoch, damit er mit aufs Bild kommt.

»Könntest du jetzt bitte …? Ich halte dieses Geschrei nicht mehr aus.«

Ich reiße ein langes Stück Panzertape ab und klebe es ihr über den zerschnittenen Mund. Sie hat so wie so nichts Wichtiges zu sagen.

Dann sehe ich, wie sie ihr die Nasenspitze abschneidet. »Warum hast du das gemacht?« Ich muss lachen über diese Absurdität.

»Mir war danach.«

»Darf ich dir einen Tipp geben?«

»Gerne.«

»Willst du ihr noch irgendwas sagen?«

»Nein. Es ist alles gesagt worden. Ich will ihr nur noch weh tun.«

»Hast du mal ‚Wir sind die Millers‘ gesehen?«

»Willst du mich gerade verarschen?«

»Nein. Hast du?«

»Ja, hab ich!«

Ihre Mutter zappelt rum.

»Kannst du dich an die Szene im Zelt erinnern? Als der Bulle ihm den Finger ins Ohr steckt und ihn damit fickt?« Ich muss lachen. Ich liebe die Szene.

»Ich versteh‘ was du meinst.« Sie holt aus und rammt ihr das Messer mit voller Wucht ins Ohr. Ihre Mum schreit sich unter dem Tape die Seele (– die sie in Wahrheit gar nicht hat –) aus dem Leib, zappelt und windet sich vor Schmerzen. Mich nervt das. »Darf ich mal?«, bitte ich höflich und schiebe sie vom Bauch herunter. Ich trete ihr voll in den Magen; das raubt ihr die Luft – oder sie ist ohnmächtig geworden. Auf jeden Fall ist sie jetzt still.

»Ich glaube, ich habe sie kaputt gemacht …«

»Da kannst du nichts mehr dran kaputtmachen, Baby.«

»Okay, das hätte mir jetzt auch echt leidgetan. Ich will dir das nicht versauen.«

»Du versaust mir nichts. Du machst es erst möglich.«

»Ich bin zufrieden, wenn Sie es sind, My Lady

»Nenn mich nicht so. Dann fühl‘ ich mich wie ein Pferd.«

»Wie ein Pferd?«

»Jedes dritte Pony wird ‚Lady‘ genannt. Ich finde das nicht sehr einfallsreich.«

Ich stimme ihr zu. Das ist ziemlich doof. »Ich nehm’s zurück.«

»Bist du so gut, und machst ihr die Haare?«

»Bist du schon soweit?«

»Ja.«

»Das wird ganz schön stinken«, warne ich sie vor. »Und Fenster öffnen, is nicht.«

»Mir egal.«

»Wie Sie wünschen My-« Böse funkelt sie mich an. Sie hat Blutspuren im Gesicht; lieber nicht provozieren. »… Madame.«

»Hmpf.«

Ich steige hinter ihre Mutter. Öffne den Pferdeschwanz und breite die Haare wie einen Fächer aus. Dann gehe ich zur Tasche und hole den Spiritus (AMAZON, 3,90 Euro) hervor. »Darf ich?«, frage ich.

»Ja, bitte. Aber nicht anzünden!«

»Natürlich nicht.« Gewissenhaft verteile ich den Brandbeschleuniger über ihre Haare. »We don’t need no water, let the motherfucker burn. Burn motherfucker, burn.«

Sie kichert. Ich freue mich, wenn ich sie zum Lachen bringen kann.

Dann reiche ich ihr das Streichholz. Sie zieht es über die Reibfläche. Es fängt Feuer. Ich mag das Geräusch. Für einen kurzen Moment kann ich den Schwefel riechen. Dann wirft sie es auf die Haare. Sie gehen augenblicklich in Flammen auf. Fuck, ich wusste, dass das stinken würde. Im selben Moment beginnt sie damit, auf ihre Mutter einzustechen. Immer wieder rammt sie ihr das Messer in den Bauch und die Brust; sticht auf Arme und die Oberschenkel ein. Ich schaue ihr dabei zu. Ich kann nicht mitzählen, wie oft sie sie mit der Klinge fickt. Ich lasse sie es in Ruhe tun. Sie soll es raus lassen; soll es genießen; so eine Gelegenheit bietet sich nur einmal im Leben. Ich bin mir nicht sicher, ob der Körper ihrer Mum noch lebt, ich vermute ehr nicht, aber durch die Messerstiche zuckt er vor sich hin. Ein rhythmischer Takt.

The roof,
the roof,
the roof is on fire
.

Ich greife zu dem Feuerlöschspray (AMAZON, 22,50 Euro) und besprühe ihren Kopf, damit nichts anderes in Brand gerät. Das wäre nicht schön.

Sie fickt sie immer noch mit dem Messer, diesmal Richtung Unterleib und noch ein Stück weiter unten. Sie ist im Wahn. Es ist okay, ich hole sie nachher, wenn sie fertig ist, wieder zurück. Überall ist Blut: an den Wänden, Möbeln, an ihr, an mir und auf dem Boden sowieso.

Sie weint dabei.

Ich gehe zu ihr. »Es ist jetzt gut«, flüstere ich. Ich erinnere sie an den Plan: »Ein letzter Schnitt noch, damit sie dir nie wieder etwas Gemeines sagen kann.«

»Du hast Recht«, schluchzt sie und zieht den Schnodder die Nase hoch. Dann hält sie das Messer an die Kehle ihrer Mutter und zieht sie durch. »Nie wieder wirst du mir irgendetwas sagen! HÖRST DU, BITCH!?«

»Sie kann dich nicht hören. Du hast ihr das Trommelfell zerstochen.«

»Herrgott! Musst du so ein Klugscheißer sein?«

Ja, muss ich.

Ich ziehe sie von ihr runter, umfasse ihr Gesicht und schaue sie an. »Du musst jetzt wieder runterkommen, verstehst du?«

»Ja, ich weiß.«

»Wo ist das Bad?«, will ich von ihr wissen.

Sie zeigt in die entsprechende Richtung. »Die Treppe hoch.«

Ich packe meine Tasche an der einen Hand, und sie nehme ich an der anderen. Wir gehen ins Bad und ich ziehe sie vorsichtig aus. Sie soll jetzt nicht triggern. Ich packe sie unter die Dusche und wasche sie gründlich ab. Blut, Schweiß, Tränen und Wut fließen in den Abwasserkanal hinunter.

»Ich will das nicht.«

»Ich weiß. Aber es muss sein. Wir können so nicht draußen rumlaufen.« Sie nickt monoton. Ich nehme ein frisches Handtuch aus dem Schrank und trockne sie gründlich ab. Zum Schluss wickele ich sie darin ein, denn sie soll nicht frieren. Dann greife ich in die Tasche und gebe ihr saubere Kleidung. Sie zieht sich an, während ich mein Gesicht und Hände im Waschbecken säubere.

»Bereit?«

»Bereit.«

Wir setzen unsere Masken wieder auf und werden dieses gottverdammte Haus verlassen.

Sie hält mich fest. »Warte!«

»Was?«

»Ich will, dass du mich fickst.«

»Jetzt? Hier?«

»Jetzt und hier.«10646696_845541525470685_69816026502170428_n

»Okay, aber nur wenn ich dich dabei Lady nennen darf.«
Grinsend schnipp ich ihr vor die Pferdemaske.

»Fick dich.«

»Nein. Dich.«

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