Kontaktverbot

Da fick mir doch einer die Henne!

Habe therapeutische Ansätze versucht. War beim Frisör (Frauen wissen, was das heißt), habe mir ne scheiß Farbe in genauester Abwägung ausgesucht und Kinokarten geordert.

Jaha, genau. Ich war im Kino. Und das nicht mit Panik und Evakuierungsplan sondern so, wie normale Menschen ins Kino gehen. Es ist etwas passiert, was mir noch nie passiert ist: Ich kam zu spät! Das ist der Hammer. Normalerweise bin ich eine Dreiviertelstunde früher da, um mich zu akklimatisieren: Sitze gucken, Toiletten gucken, Notausgänge gucken, Menschen gucken. Aber nicht heute. Heute stürze ich in den Saal und die Vorschau läuft schon. Spätestens hier wird mir klar: mit mir stimmt was nicht. Das bist nicht du, du neurotisches Opossum.

Ich gucke nen Film. Ich esse 9kg Popcorn. Die Tüte wird nicht leerer. Ich stopfe und stopfe, und denke über meine Blutzuckerwert nach – ertränke den Gedanken in einem Liter-Eimer-Cola.

Dann wieder raus. Ich muss an den PC. Alles zerrt in mir. Wieder diese kleinen Nanoteilchen, die auf meinem Kompass ausgerichtet sind. Ich muss sehen, ich muss gucken, ich muss, ich muss, ich muss…. Vllt ist ja heute DER TAG, wo sich etwas ändert. Wo sich alles wieder normalisiert und es sich wieder richtig anfühlt.

Der Error bleibt bestehen. Kein IT’ler hat sich darum gekümmert.

 

Ist das schon ein Auflagenverstoß?

Schätze schon.

 

Wir fangen an zu reden. Ich bin sauer, weil ich nicht weiß, wann du mich gerade verarscht oder ob du wirklich aus dem Ghetto kommst. Meine Fresse, kann denn niemand mehr ehrlich sein? Ghetto: ok! Strandpromenade: ok! Trailerpark: ok! 4Seasons Münchner Innenstadt: ja, man, auch okay! Hauptsache ein wenig Ehrlichkeit in dieser verhurten Dreckswelt.

Du fragst, wie es war.
Ich muss erst mal eine Rauchen gehen.

Du weiß, warum ich das mache. Es ist ein Stilmittel. Es ist eine Fluchtmöglichkeit. Es ist ein Kampf gegen die Impulsivität. Ich bemühe mich so sehr, alles richtig zu machen, dass ich nicht weiß, wie meine spontanen Entscheidungen und Antworten so ankommen. Meine letzte spontane Eingebung war, dass ich dir das mit dem Ghetto geglaubt habe. Hahahaha, verarscht.

Wie lustig.

Wie soll man da Vertrauen aufbauen?

Für dich ein unbedachter Scherz. Für mich ein Steinschlag auf der Straße, auf der Vertrauen aufgebaut wird. Aber okay, lachen wir halt einfach über einen Scherz:

Hahahahahahahahahaaha. Da hast du mich aber grad dran gekriegt, hihihi. Ich habe dir das echt geglaubt. Weil ich bin ja die naive Kuh, die alles glaubt, was man ihr so erzählt. Hihhihihihihihi, macht ja nichts. Wer bist du schon? Wen will ich da kennenlernen?
– Ich weiß gar nix

Mir wurde meine Intimität genommen. Mein sicherer Rahmen. Ich muss die Persönlichkeit switschen, damit ich das bewerten kann. Wir sind jetzt Discordgesprächspartner, die sich auch auf irgendeiner hätten Party treffen könnten, ein Bier in der Hand halten und einen Schritt weiter als Smalltalk gehen. Dieser feine Moment, wo man das Wetter hinter sich lässt und seinen sozialen Standort googelt. Ich stehe nun mit dem Becher Bier in der Hand vor dir und gucke dich groß an. Ich will etwas erfahren. Ich bin interessiert.
Stattdessen versteckst du dich hinter Ironie und Sarkasmus.
Glaub nicht, dass ich es nicht merke. Ich habe dieses Versteck erfunden. Maskiere so lange du willst. Aber ich bin gelangweilt.

Irgendwas scheinst du zu merken – dumm bist du nicht. Ist ja keine Raketenwissenschaft, hm?!

 

Wer denkt, ich hatte an dieser Stelle ne verdammt miese Laune, der sollte mal weiterlesen. Ich versichere euch, es lohnt sich. Führen wir mich mal so richtig im Kreis. Guckt’s euch an. Schaut genau hin. Spritz gegen den Monitor, wenn ihr gekommen seid.

 

»Wie war dein Gespräch?«
Jo, fangen wir doch mal an. Man könnte meinen Blog lesen, aber das wäre ja zu viel Mühe und Zeitverschwendung. Also erzähle ich, was war. Ich bin bei Kontaktverbot. Ich glaub, das ist die einzig wichtige Information, die du haben musst. Denn du musst mitspielen. Du bist mein Anker. Du bist meine Quelle.
In einem klaren Moment, wird mir bewusst, dass ich diese Quelle ausschalten muss. Keine Fragen mehr. Nicht die kleinen Nebensächlichen – nicht die großen Direkten. Einfach Funkstile. Einfach endlich komplette Stille.

Stille ist ein Verbrechen.
Stille ist brutal.

Sie hat mich hier hin gebracht, wo ich jetzt bin.

 

Switch: Wir reden über Therapiepläne. Ich weiß nicht mehr, wer auf die Idee kam, aber auf einmal steht im Raum, dass ich vom Discord runter soll. Ich kriege grad einen keinen Anfall, weil dessen-Name-nicht-mehr-gedacht-werden-darf einen Namen mit A hat. Er steht jetzt ganz oben in der Online-Liste. Ich dachte, mich trifft der Schlag. Trigger. Wahn. Abfuck. Heulen. Hilflosigkeit. Was soll ich jetzt tun?
Was würde Frau Christoffer jetzt tun?
LEAVEN SIE DIESES VERDAMMT DISCORD!
CUT MACHEN!
ABSCHLIEßEN.
Weitermachen.
Go ahead…

Jo, klingt alles logisch. Du bist sogar ihrer Meinung. Sachlich gesehen ist das das Beste. Aber wir hätten da noch mein emsiges Herz. Mein Herz, welches immer noch an das Gute glaubt. Mein Herz, das nicht loslassen kann. Mein Herz, das seinen Willen durchsetzten will.

Du schlägst mir eins der härtesten Dinge um die Ohren. Du formuliertest dass anders, aber Kernaussage war, dass der Drops längst gelutscht ist.

>>Der Drops ist längst gelutscht.<<

Ich bin nur noch ein fader Geschmack eines TicTacs – Sorte Orange, die du so gern gegessen hast. Ich bin längst nicht mehr existent. Ich bin nicht mehr in deinem Mund. Ich bin verschwunden. Ausgelutscht. (Oder ehr so richtig richtig ausgelutscht, Baby? 😉 ) Ein fader Geschmack.

Und jetzt Blick auf mich: Ich, die so was schon geplant hatte, dass Discord zu verlassen und sich noch schnell ein Backup gemacht hat. Wer weiß, für was man es mal brauchen könnte. Ich habe Dinge gelesen. Dinge, hinter denen ich noch stehe. Für die ich mich verbürge. Dinge, die so wichtig waren.
– Nun wird mir gesagt, dass ich keine Rolle mehr spiele.

Ich denke über mein Leben nach.

Es gibt da so Teeniefilme, wo alles gut wird. Wie gesagt: die richtigen Worte zur richtigen Zeit. Könnte man drauf hinarbeiten, sofern man kein KONTAKTVERBOT hätte!!! Ich darf gar nix. Ich darf die Klappe halten, akzeptieren und daran zugrunde gehen. Was ist ein Leben schon wert? Womit wir wieder bei Statistiken wären. Ich würde in deiner Statistik nicht mehr auftauen, ich bin da bereits gelutscht.

 

»Soll ich dich kicken?«
Ich antworte mit Ja. Alleine schaffe ich es nicht.

Mein erster Gedanke: Hat er es registriert (Auflagenverletzung); hat es ihn interessiert?

Vermutlich nicht mal aufgefallen.

Ich grinse jetzt: Er meinte mal, das er alles sieht, was ich tue. Er war mein beautiyful Stalker. Ich geil mir heute noch einen darauf auf, wenn ich mir vorstelle, dass er mich beobachtet und im Fokus hat. Aber er ist ein sachlicher vernünftiger Mensch. Er geht nicht an die Grenzen, die sich suche. Er wird mich längst verbannt haben. Neue Projekte. Flucht. Möchte jemand ein TicTac?

Es ist seine Art damit umzugehen. Kann ja nicht jeder so eskalieren, wie ich es tat und tue. Das ist okay, obwohl ich mir tief im Inneren eine Bahnhofabschiedszene wünsche, wo der Protagonist die dumme aber überaus süße Protagonistin in letzter Sekunde rettet.

Hier rettet niemand.

Nur du, wie du mir diese Entscheidung abnimmst, die ich nicht treffen konnte, weil ich zu schwach bin. Weil ich Hoffnung in mir trage. Weil ich verwirrt bin; denn sein wir doch mal ehrlich, da ist ja noch was anderes. Eine andere Baustelle. Eine, über die wir nie reden. Wir reden über Geschwindigkeitseinhaltungen, wer wo eingeteilt ist um die Sicht zu machen und ob wir noch neuen Beton brauchen. Aber nicht über das, was wir da bauen.

Was bauen wir?

Ich habe immer wieder nachgefragt. Du schiebst es auf die Weichmacher, aber jetzt ließ dir das Wort doch mal genau durch: Weichmacher! Es ist ein meine Mauer weich machen, damit Dinge durchkommen, die mein Verstand niemals durchlassen würden. Du wertest das ab. Ich suche nur nach einem Weg mein Leben in eine Bahn zu kriegen.

Deine Bahn hatte gestern eine Final Destination. Du wolltest es in den Sand setzten. Zugegeben, ich war auch nicht die Stewardess des Monats, aber bei dir hatte ich immer das Gefühl, wir schaffen das.

Gestern hatte ich das Gefühl, du willst mich ebenso blocken und dich distanzieren. Unter dem märtyrischen Deckmantel: Ich will das es dir gut geht.

Wie soll es mir schon gut gehen?
Ich darf nicht das sagen, was ich will.
Ich darf nicht das denken, was ich will.
Ich darf nix fühlen.
Ich hätte mir deine Hand gewünscht. Irgendein Zeichen alá: Ey, ich bin auch noch da. Was ist mit mir? Warum bin ich bis 4 Uhr im discord mit dir?

Es kam nix. Dieser Drops ist vermutlich auch gelutscht und ich habs wieder mal nicht gemerkt, Ich frage mich, wer dein Bote sein wird, der mir diese Botschaft übermittelt. Ich freu mich. Ich habe Tee und Gebäck vorbereitet. Falls überhaupt jemand kommt.

Das soweit dazu.

Die Kernaussage ist, wie Menschen andere so schnell aufgeben. Wenns schwierig wird, will niemand mehr die Verantwortung übernehmen und so schnell flüchten wie es nur geht, um sich zu schützen. Jo, alles super Einfälle.
Aber so entstehen keine großen Filme. Disney würde verrecken. Lieder würde nicht mehr geschrieben werden. Lyric und Poesie würden verkümmern. Bilder nicht mehr gemalt. Wir würden in der Grundausstattung von Outfittery rumlaufen, damit wir gut aussehen auf Instagram, FB und Tinder!, in der perfekten IKEA eingerichteten 2-Zimmerwohnungen leben, mit kleinem Balkon zur Südseite. 14 Tage Malle, Weihnachten, Geburtstagsfeiern, neues Smartphones, Patchnotes bezüglich meiner Klasse. Nerfs – Buffs. Der Rubel rollt.

Wahn und Kreativität – und ja, auch Liebeskummer – hat uns zu den tollsten Dingen geführt, die die Menschheit je erlebt hat. Da kann auch keine Raketenwissenschaft mithalten, weil sie kein Herz und keine Seele hat.

Nach dieser These mache ich entweder etwas, das total real ist – oder etwas was total drüber ist.
Aber das kennen wir ja schon von mir.

 

Vom Discord gekickt. Auf meinen Wunsch. Ja, gut. Danke, schön. Ich schaffe es nicht, die große Geste dahinter zu erkennen, aber ich hoffe, dass du sie mir morgens um 4 Uhr mal erklären könntest – irgendwann. Mit Ehrlichkeit. Nur du und ich. Ohne Pimmelei.

 

 

Alles schön und gut, auch wenns hart war. Aber heute bin ich heulend aufgewacht. Ich hatte ein so starkes Bedürfnis  noch mal mit dir zu reden. Ich wollte alles noch mal sagen. Alles noch mal aussprechen, denn – so stell dir das doch mal vor –, du könntest einen Autounfall haben und du würdest das alles nie wissen, was ich für dich in Kauf genommen habe.

Ich muss grad lachen^^

Vermutlich würdest du aus allen Wolken fallen. Du hast seit Wochen nicht mehr einen Gedanken an mich verschwendet und dann komm ich wieder ins Leben gestolpert, weil ich auf einem völlig anderen emotionalen Level bin, als du.
Wie ist dein Level?
Wir haben mal im Gleichtakt geschwungen. Es war einfach. Überlege doch mal, wie oft ich es dir gesagt habe – und wie oft du es erwidert hast.  Warum solltest du das faken? Für was? Hat dir doch nix gegeben. Wir waren beide verrückt – ich ein wenig mehr, zugegeben. Aber du hast mitgetanzt.

 

All das was ich dir sagen will, darf ich nicht.

Kontaktverbot.

Ich wünschte, du wärst nur einmal in deinem Leben neugierig und würdest dies hier alles lesen. Dann würdest du verstehen, wie viel Verzweiflung und *Zensiert* hier zu finden ist. Ich weiß, dass du kein kalter Mensch bist. Es würde dich berühren. (Jaha, auch Kotzen ist eine Emotion!)

Ich wünschte, es gebe einen Menschen, der dich hierher, an diesen Ort – meine Seitengasse -, führt. Ich wünschte, du hättest einen Ingwertee, deine Schaaldecke und würdest dich ein letztes Mal auf mich einlassen.
Ich wünschte, es gebe diesen Menschen, der in Teeniefilmen immer der schwule beste Freund der Protagonisten ist, der die zwei *Zensiert* wieder zusammen führt.

Ich habe so jemanden nicht. Ich bin ganz allein mit meinem Kontaktverbot.

 

Ich würde sterben für ein »hi«. Egal, was danach kommt.

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