Komfortzonenbesatzer

Willkommen zurück in deiner Komfortzone! YEY, ich bin wieder da! Es ist so wunderschön hier <3

Es ist ein weiches kuscheliges Sofa; ich habe eine Flauschedecke um mich herum gewickelt, als wäre ich eine Sushirolle, und eine Kerze brennt. Ich mag das Licht und den Geruch.

Ich bin so was von safe.

Endlich wieder allein. Endlich wieder Ruhe und Sicherheit.

Ey, ich habs echt probiert. Ich bin Verpflichtungen eingegangen und habe mich bemüht, der Verantwortung gerecht zu werden.

Ich habs verkackt – und das ist gar nicht schlimm!
Wenn das kein Marmeladenglasmoment ist, was zum Fick ist es dann?!
Ich schreibe ihn auf einen Zettel. In Schönschrift! Glitzerstift! Mit Herzchen auf dem i!

Jeder hat ein Lebenskonzept für sich. Meins ist das weiche kuschelige Sofa ohne Gefahr und Eindringlinge.

Lässt mich das vereinsamen?
Nimmt mich das aus dem Leben raus?
Führt das früher oder später zur Langeweile?

Ist mir alles scheißegal! Ich bin wieder frei! Ich fühle mich so schrecklich losgelöst. Seit Wochen – QUATSCH, Monaten! – habe ich endlich wieder das Gefühl, frei zu sein. Ich war so von der Situation übermannt. Es hat mich in die Ecke gedrängt. Der Druck war so belastend. Ich kam da selber nicht mehr raus. Der Raum, in den ich gesperrt war, war so eng wie der Arsch einer Jungfrau. Kein Licht. Kein Bewegungsspielraum. Kein Vor oder Zurück. Ich saß so fest.

Gestern bin ich für mich eingestanden. Ich habe etwas getan. Gehandelt. Reagiert. Mich bewegt. Ausgebrochen. Losgelassen.
Der Lohn: Freiheit.

Ich habe mit neuen Zahlen gerechnet. Das Ergebnis war endlich ein anderes.

Meine Zwangsgedanken sind Endorphinen gewichen. Ich empfinde Glück.

Was für ein Scheiß. Andere Kinder wären traurig darüber: Freundin verloren, vom Freundeskreis losgelöst, Hobbysektion beendet. Aber ich bin nicht wie andere Kinder. Ich bin einfach nur froh und erleichtert. Ich bin so was von beziehungsgestört. Dass ist einfach nichts für mich. Warum soll ich mich zu so vielen Dingen zwingen lassen, die ich gar nicht möchte? Es grenzt an Vergewaltigung. Ich lasse mich zu Dingen zwingen. Und ich starre dabei nicht an die Decke. Ich verlasse meinen Körper nicht. Nein, ich mache noch mit, damit der Fick gut wird. Der Täter soll ja seinen Spaß haben! Eine Tasse Tee? Zigarette gefällig? Gebäck? – Ich hab sie doch nimmer alle!

Nein, Schluss damit.

Wehr dich, verdammt. Du bist kein Opfer. Der Weiße Ring kann warten.

Hab ich.

Danke, an mich selber.

Bin gespannt, ob ich in das kommende Loch falle, oder ob ich dieses Mal drüber springe. Sollte ich in dieses Langeweiledepressionsloch fallen, dann erinnere dich bitte an diesen Moment zurück, als du mit hoch erhobenen Kopf dastandst und Nein gesagt hast.

Nein, ich will das nicht mehr.
Nein, ich werde mich nicht durch die Situation durchkämpfen.
Nein, ich werde mich nicht für alle verbiegen und versuchen, es jedem Recht zu machen.
Nein, ich werde mich jetzt nicht einfach mal zusammenreißen.
Nein, diese Panikattacke hältst du nicht aus.
Nein ist ein vollständiger Satz.

Es ist vorbei. Endlich vorbei.

 

Ich glaube, es war Samstag, als mein Umdenken eingesetzt hat. Das war der entscheidende Moment. Gott, dieser Trigger! Ich wusste gar nicht mehr, dass es ihn noch gibt! Die Überraschung war ganz meinerseits. Diese Panikattacke war die Schlimmste in meiner PA-Laufzeit. Es war nicht mehr nur in meinem Kopf (Ist das grad ne Panikattacke oder bilde ich mir das ein? Hilfe, was ist das? Stirbt der Körper jetzt? OMG, OMG, O.M.G!!!). Es ist voll auf den Organismus gesprungen. Mir war noch nie im Leben so kotzübel. Ich habe am ganzen Körper gezittert, ich konnte nicht mal mehr stehen, so sehr habe ich geklappert. Danke, ich habe meinen Real Life-Schock bekommen. Und der Herzstillstand hat mich gerettet. (War das der Plan?)

Endlich konnte ich wieder für mich entscheiden, was ich will – und was nicht.

Der Preis ist hoch. Die Gefahren nicht abzusehen. Es kann ganz ganz schlimm werden …  weiß ich doch.

Aber im Moment glaube ich, dass nichts so schlimm werden kann, wie die vergangenen Monate der Depression und den Zwangsgedanken, wie ich etwas Eckiges durch etwas Rundes bekomme. Ich habe losgelassen, und im Augenblick fliege ich auf meiner Erleichterung davon. Ich bin frei.

Manche Menschen sind für da draußen nicht gemacht. Ich bin so jemand. Ich bin ein Komfortzonenbesatzer.

 

P.S. Lies das, wenn dich wieder mal irgendjemand zu etwas zwingen will, was du partout nicht willst. Oder wenn die Depression und Vereinsamung einsetzt.
LG, Sofa.
GL, GG, GZ, HF.

  1 comment for “Komfortzonenbesatzer

  1. royaltrs
    13. November 2017 at 17:08

    gg wp
    gl hf

    Nachdem ich nicht länger Pessimist bin lehne ich mich mal weit aus dem Fenster und behaupte alles wird gut :3

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