kein Titel

Heute gebe ich bekannt, dass ich mein Leben aufgeben werde.

Wie komisch die Welt mit dieser Erkenntnis auf einmal ist. Mir ist die Luft ausgegangen. Ich bin hohl. Atemlos. Ich kann mein jetziges Leben nicht mehr so weiterführen, wie ich es gehofft hatte.

Im Nachhinein bin ich aber auch nicht überrascht. Ich wusste, dass es darauf hinauslaufen würde. Ich hatte nur nicht gedacht, dass es an einem Montag passieren würde. An einem beschissenen Montag im März. Ich dachte, dass Datum würde mir mal irgendwas sagen, wenn der Moment gekommen ist. Dass es so trivial sein würde, damit habe ich nicht gerechnet. Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, aber dies war es nicht.

Mein Leben ist – wie gesagt – am Ende.

Ich komme nicht mehr vor und nicht mehr zurück. Ich stecke fest. So fest, dass ich nicht mehr weiß, wie ich da nur jemals wieder rauskommen soll.

Ich will nicht zurück zu meinen Eltern.
Ich will auch nicht mit Dreißig noch mal „neu durchstarten“.
Ich will einfach nicht mehr.

Ich werde sterben.
So einfach ist das.
Trivialität in Reinkultur.

Wenn man es erst mal beschlossen hat, ist es gar nicht so leicht, sich eine Möglichkeit zu suchen. Ich weiß nicht, ob es Pillen, der Strick, die Brücke oder das Messer sein soll. Ich scheue mich davor, eine Entscheidung zu treffen.
Früher habe ich den Suizidakt an und für sich reizvoll gefunden. Ich war melodramatisch in die Idee vom Suizid verliebt. Jetzt steht es mir einfach im Weg zur Ruhe.

Gute Nacht, Boo.

Gute Nacht, mein Leben.

Gute Nacht, Einhornmensch.

Ich fühle mich so versagt. Ohne Selbstmitleid sehe ich mein Versagen klar und deutlich vor mir.
Ich hab’s verkackt. Einfach verkackt.
Ich hab’s vermasselt; es einfach laufen lassen; nicht mehr gekämpft.
Ich bin fett, faul und hässlich geworden. Bin so bequem geworden.
Jetzt, am Ende allen Tages, wird mir das erst richtig bewusst. Ich wusste es immer, aber ich habe es gut verdrängt. Jetzt liegt es nackt und qualvoll vor mir: fett, faul, träge und nicht-wertig.

Wenn man Schoko-Pudding will, ist das halt so. Damit muss ich mich abfinden. Ich kann kämpfen, schreien, bocken und heulen. Fakt ist, Schoko-Pudding will gegessen werden. Nicht mehr ich. Ich, der dir alles versaut hat. Ich habe dir den Sex abgewöhnt. Ich habe dich isoliert. Ich habe dich weggesperrt. Ich dachte, ich würde vollkommen reichen. Wie arrogant das klingt, weiß ich selbst.
Du hast mich gefördert und gemeint, dass ich ein interessanter Mensch bin – und für 3 Leben reiche.
Jetzt ist es ein banaler Schoko-Pudding, der mich – das Genie, das Großartige, das Interessante – zum Fall bringt.
Es ist nicht der eine Schoko-Pudding.
Jaja, ich weiß.
Herrgott! Ich verstehe, was du mir sagen willst! Aber allein das Verlangen nach Schoko-Pudding ist das Ende! Ob Dani Sahne, Gut & Billig oder von Penny – die Marke ist nicht von Bedeutung. Es ist der Schoko-Pudding!!!

Ich kann nicht mehr.

Ich ertrage diesen Streit nicht mehr.

Dass kämpfen, dass Erklären, dass Verständnis haben.

Ich kenne meine Fehler.

Ja, wahrlich. Ich kenne sie.

Und es reicht.

Ich mache das nicht aus Trotz.
Jemand, der mich kennt, weiß, wie gern ich das letzte Wort habe. Aber nicht dieses Mal. Dass ist nicht der Grund. Der Grund ist, dass ich keinen Ausweg weiß. Hinter der Impulsivität und der Wut und der Enttäuschung bleibt nur noch: keinen Ausweg mehr zu wissen.

Ich rate jedem zu Listen.
Pro und Contra.
Probleme staffeln, aufschreiben, abarbeiten.

Dass funktioniert hier und jetzt aber nicht.

Ich kann meine eigenen Ratschläge nicht umsetzten.
Dass konnte ich noch nie.
Es ist ein Fluch.

Ich kann’s gar nicht glauben, dass heute der Tag ist.
Ein sonniger Montag im März 2016.
So trivial, dass es schon lächerlich ist.
Ich habe heute in einem Buch gelesen, ein Stück Kuchen gegessen, Cannelloni gemacht, bin Gassi gegangen und habe sogar noch eine Bestellung bei Amazon aufgegeben. Ganz so, als würde mein Leben fortbestehen. Ich wusste es nicht besser.
Es ist echt zum Schießen komisch!

Wie würdest du deinen letzten Tag auf Erden leben?

Trolololololol.
Alles Bullshit.
Man kann denken und träumen und vermuten, aber Fakt ist: Es kommt, wie es kommt. Trivial wie Klopapier, der Name Horst oder das Licht anmachen, wenn es dunkel wird.

Ich komm hier nicht mehr lebend raus.

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