Gefühlsgangbang

GefühlsGangbang

Aushalten.

Luft einatmen. Luft ausatmen.

Aushalten ist so ein Ding, das ich nicht schaffe.

Ich bin unruhig. Die Gedanken wirbeln wie ein albern blinkendes Kinderkarussell das von Hurrikan Katrina mitgerissen wurde. Ich will die ganze Zeit etwas tun, damit ich zu einer Lösung komme. IRGENDETWAS! Ich zermartere mir das Hirn. Nein, du hast mich grad nicht richtig verstanden. Ich mein: ICH ZERMARTERE MIR DAS verfickte GEHIRN!

Ich zerfleische mich. Ich verzweifel‘ mich.

Ich bin nicht mein Gefühl, sagen die Pros. Aber wie kann ich etwas anderes sein? Ich bestehe nur aus Fühlen.

Wären Gefühle Farben, wäre ich ein beschissener Farbkasten!
Wären Gefühle aus Licht, wäre ich die Supernova.
Wären Gefühle riechbar, wäre ich eine Seuchengrube aus dem Hinterland.

Zu Fühlen bestimmt mein Sein.
Ich fühle Schlechtheit. Ich bin schlecht.
Ich fühle Einsamkeit. Ich bin einsam.
Bin ich nicht einsam, bin ich zu viel die andere Person, die ich einerseits nicht sein will und andererseits so sehr liebe.

Aber bin das noch ich?

Ich bin nie ausgeglichen. Kein ruhiger See – vielmehr ein Fluss. Keine Basis.
Stattdessen bin ich irgendwas. Immer auf Spannung. Immer auf den Kick aus. Immer tausend Leute um mich herum, damit niemand genau zu mir schauen kann. Ich brauche Requisiten und Statisten, hinter denen ich mich verstecken kann.

Und andererseits?

Tja, andererseits will ich gesehen werden.
Ich will die einzige Wahrnehmung, der Fokus, der ganzen Welt sein. Ich habe das Jean-Baptiste-Grenouille-Syndrom. Ich will in einer Menschenmenge liegen, die sich gangbangt. Ich will die unantastbare asexuelle Prinzessin in der Mitte sein. Ich will, dass alle nur mich wollen. Sie sollen mich angucken, während sie jemanden anderes ficken. Ich will in ihren Blicken sehen, wie sehr sie sich in Wirklichkeit nach mir verzehren. Ich will das verkörpern, was niemand kriegen kann.

Ich will die Karotte an der Angel sein, nach der der Esel so giert. Ich will unerreichbar sein. Immer nur das geile Glitzern im Blick des Betrachters.

Ich will, dass du mich hasst, weil ich dir niemals erlaube, mich lieben zu dürfen. Friss mich, böser Wolf. Genieß dein Bambi, denn du weißt wie selten und exquisit mein Geschmack ist. Fix dich an. Verlieb‘ dich nur. Vergöttere mich! Idealisiere mich!

Ich bin dein Crystal Meth.

Und dann come down.
Ich richte dich zu Grunde.
Schlag auf dem Boden der Tatsachen auf. Brich dir das Genick. Erst wenn ich deine Leiche sehe, bin ich zufrieden, denn dann weiß ich, dass du mich wahrlich geliebt hast.

 

I put the N.A.Z.I. in Narzissmus

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