Frau Christoffer

Hahaha. Da kann man ruhig mal lol’en.
/Kopfschuss

Tür öffnen. Einfach reingehen.
Ich habe so einen Terror für diesen Termin geschoben. Jetzt bin ich hier und muss nur durch diese Tür treten. Ich, der Therapieverweigerer. Ich kleiner Punk.

Punk kriecht grad zur Kreuze und setzt sich auf den Sessel.

Wo fange ich an?

Bei ihr.

Ich glaube, das ist ein guter Einstieg. Damit hat alles begonnen.

Du verdammte Fotze.
Ich sage es nicht laut, aber ich denke es. Ich bin nicht sauer auf dich, war es nie, aber ey, du hast es verdient. Dass, was du getan hast, war unverzeihlich. Aber ich habe dich verstanden. Jede einzelne Sekunde lang habe ich dich verstanden und gesehen.

Whatever. Es bleibt bei uns.

Aber es ist der Beginn dieser Geschichte. Ich habe kompensiert – mit ihm. Wir nennen das Von Bett zu Bett springen. Ich bin gesprungen. Mit dem Kopf voran. Direkt auf den Betonboden. Schädelbasisbruch. Wachkoma. here we are.

Etwas Wichtiges ist weggefallen. Ich habe mich anderen Dingen zugewandt. Kopf dabei verrenkt. Ach, hätte ich doch nur einen Physiotherapeuten zur Hand …

Ich erzähle ihr alles.
Alles.
Alles-Alles.

Die Augen werden immer größer.

Ich kriege meinen obligatorischen unvermeidlichen Heulanfall. Wahnsinn bricht aus. Ich werde unsachlich. Sie hingegen wird immer sachlicher. Ich will ihr eine reinhauen. Martin wäre mitgegangen, hätte mich alles ausleben lassen, sie hat Panik in den Augen.

Sie nimmt mich ernst. Sie hat Angst.

Ich steigere mich so richtig rein. Lasse alles raus, halte nichts zurück. Ich switche von Verzückung und Euphorie zu tiefer Trauer, Verlust und Zwangsgedanken. Versuche zu vermitteln, dass mein Gehirn explodiert. Ich rede von 10mg Tavor und ner halbe bis dreiviertel Flasche Tequila/Vodka/Raz. Ich rede vom Dopen. Ich rede vom Eisboden. Ich rede von ihm, von ihr, von dir, von dem anderen son bissl und dann wieder über mein Gehirn. Ich rede von Ritzen, Paranoia, Ficken, besoffenen Autofahrten, Psychose, Discord und Raiden.

Sie redet auf einmal von Zwangseinweisung.

Ups.

 

Moooment! Hier läuft was schief. Ich weiß nicht, ob ich mich gehen lassen soll oder ob ich zurück rudern will.

Sie kann mein Verhalten nicht mehr verantworten. Kommt mir mit therapeutischer Aufsichtspflicht. Selbst- und Fremdgefährdung. Ich will Frau Christoffer ihre Sachlichkeit aus der Visage schlagen. Vor mir steht eine Taschentuchbox. Ob ich sie ihr direkt ins Gesicht schleudern soll? Würde vermutlich daneben werfen. Ich habe so einen richtigen-richtigen Anfall – und knalle durch.

Sie kommt mir mit Liebeskummer.
Ich komme ihr mit: »Ficken, Alter!!!«
– Ja, hab ich laut gesagt.

Sie schnappt nach Luft. Ich auch.
Jetzt reichts!

Ich soll meinen Fahrer anrufen. Mit mir ist ja kein vernünftiges Wort mehr zu sprechen. Ich hab kein Handy mit. Ich kenne die Nummer nicht. Ich muss losziehen und durch die verfickte Innenstadt laufen, um ihn zu finden. Verheult und im Wahn lauf ich los. Die Leute gucken. Ist mir EGAL! Ich suche. Ich finde. Sage nur das Nötigste. Zurück in die Praxis. Ich bin jetzt außen vor. Es wird über mich geredet. Einschätzungen werden ausgetauscht. Die Erziehungsberechtigung wird auf ihn übertragen. Er soll mich verantworten. Dafür werde ich nicht zwangseingewiesen.

Jo, danke und so. Ich hasse die scheiß Klapse. Ich will da partout nicht hin. Ich wehre mich mit Händen und Füssen und mache nach na halben Stunde wieder einen auf normal. Ich lasse mich auf Absprachen ein.

Punkt eins: Kontaktverbot.

So, dass muss man sich jetzt mal auf der Zunge zergehen lassen. Ich habe ein Kontaktverbot erteilt bekommen. Fehlt doch nur noch die beschissene einstweilige Verfügung! Ich komme mir vor, wie ein Stalker. Wie ein beschissener kack Stalker. Ich fühle mich grade unwürdig. Ich fühle mich missverstanden. Ich habe nicht gestalked. Alter, ich weiß, wie Stalkerei aussieht und ich bin nicht so. Ich fühle mich getriggert. Ich fühle mich beleidigt. Ich bin pissed.

Kontaktverbot. Kein Anschreiben. Kein nur mal gucken. Nicht mal daran denken soll ich!

Wollt ihr mich eigentlich verarschen?!

Sie weiß, ich kann es nicht. Ich weiß, ich kann es nicht. Ich konnte es nie, was dich betraf. Ich bin immer dem Wahn statt der Vernunft gefolgt. Nun habe ich eine Auflage. Es wird mir gedroht. Ich soll blocken. Ich soll nicht mehr hingucken. Ich soll die Fresse halten. Ich soll, ich soll, ich soll.

Tue ich es nicht, wird mir der PC genommen.

Ups²

 

Jetzt muss ich echt mal überlegen, was das bedeuten würde.

Sucht kommt mir in den Sinn. Darf man das? Einfach so kalten Entzug machen? Bei einem Menschen, der in der Krise steckt? Ich halte das für keinen guten Einfall, aber ich bin ja auch der Junkie, der kurz vorm Cold Turkey steht.

Dann kommt sie mir mit Medikamenten. Ich krieg die nächste Krise. Ganz, ganz sicher nicht. Nicht wieder Entzug. Fickt euch.

Jetzt ist der Moment, wo ich merke, dass ich glaube, dass ich gar keine Hilfe will. Ich wills zerficken! Ich will das! Ich will von Bett zu Bett springen, dopen, saufen, gefährden, sterben. Das einzige, was ich nicht will, ist darunter leiden. Jetzt kriege ich wieder klein-Mädchen-Fantasien von Magie und an etwas festhalten, *Zensiert* und Hoffnung. Ich denke – und das sage ich auch -, dass man mit Worten alles regeln kann. Man muss nur diese eine große Rede halten, wie sie es in Teeniefilmen immer tun. Man muss nur große Kulleraugen machen, die Unterlippe zittern lassen und die rührseligsten Worte der Welt aussprechen. Problem ist, dass ich keine Worte finde.

Christoffer kriegt jetzt ihrerseits die Krise.

Sie kommt mir mit Realität.

What the fick?!

»Wollen Sie wirklich das?«, »Überlegen Sie doch mal!«, »Das hat doch keine Perspektive.«, »Das ist unrealistisch.«, »Sie sind zerrissen.«, »Sie können das nicht mehr bewerten.«, »Sie schaffen das nicht mehr allein.«, »Für normale Menschen wäre dieser Zustand schon schlimm, bei Ihnen spielt noch das Borderline mit rein und das macht es umso schwerer.«

FICK DICH, FOOOOOOOOOOOOOTZE!

Ich klammer weiter. Will den Realitätscheck nicht. Will aber auch keine Zwangseinweisung, denn dann komme ich da nicht wieder raus. Und wir wissen ja, wie lange ich es in Klapsen so aushalte. Rekord liegt bei 2,5 Stunden.

Wir müssen an dieser Stelle zu einem Ergebnis kommen, findet sie. Sie ist zielführend. Ich will einfach nur meinen verkackten Willen durchsetzten und Leuten die Beine brechen, sie in einen Bunker sperren und für immer bei mir haben. Ich will Antworten. Ich will meine Fantasie. Ich will einen BigMac. Ich will so viel…

Ich bekomme:
– Keine Zwangseinweisung
– Therapieauflagen
– Kontaktverbot
– Perazinerhöhung in Eigenermächtigung
– telefonische Meldung jeden verdammten Tag
– ein Angebot zur Verhaltenstherapie
– nen Abfuck

Der kleine Punk wird jetzt ordentlich in Therapie gehen! Jaha, richtig gehört. Ich spiele mit. Ich stelle mich der Realität, werde wieder klar im Kopf.

Ich halte mich an das Kontaktverbot. (Mal gucken, wann ichs verkacke…)
Blockieren.
Discord leaven.
Cut machen (nein, nicht Ritzen!).
Abstand.
Distanz.
Stille.
Nein, auch keine Musik mehr!

Alter, ich krepiere.

Ich hasse Konsequenzen. Ich ficke eure Autoritäten. Wenn einer ne Grenze zieht, na ratet doch mal, was ich damit mache?! Ficken, Alter, Grenzgänger, Biatch!!!

Aber gesund werde ich davon nicht. Also: mitspielen. Denn erinnere dich, aushalten tust du das nicht mehr. Du leidest, Zuckerschnute. Ist es das wert?

Pffft. Beschissene Frage. Ich würde so einiges für dich tun. Ich habe immer gesagt, ich tue alles für dich – und ich habe es so gemeint. Jetzt bin ich in der Beweispflicht.
Fakt ist: Ich würde nicht alles für dich tun. Ich glaube, an der Stelle habe ich mich selbst belogen. Ich hasse es, wenn ich ein Versprechen nicht halten kann.

Irgendwann durfte ich dann gehen, nach vielen einfühlsamen Worten und Mitleid mit meiner Person und Situation. In Freiheit. Naja, fast. Ich bin auf Bewährung.

 

Gestern gucke ich auf mein Handy. Da ist diese Zahl oben im Discord, das man eine Nachricht hat. Scheiße verfickte Scheiße, hat das getriggert. Das war richtig-richtig-richtig schlimm. Ich bin mit nur einem Gedanken wieder drauf. Junge, waren das noch Zeiten! Jetzt ist es still. So verdammt still. Sie war nicht von dir. Und damit habe ich direkt gegen meine Auflagen verstoßen. Ich hatte wieder mal Hoffnung. Ich soll mir diese Hoffnung aus dem Kopf schlagen. Wie soll man das schaffen? Wie erstickt man Hoffnung? Hoffnung ist der Ursprung alles Seins und Schaffens; von Kreativität, Lebensmut und -willen, Magie, Zukunft, Revolution, *Zensiert*. Oder interpretiere ich Hoffnung einfach nur falsch?

Ich würd ja sagen: Ich kriege die Krise. Aber die habe ich längst.

 

 

Ich würde verstehen, wenn du jetzt rennen willst. Lauf, so schnell du kannst. Ich nehms dir nicht übel.

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