Distanz

Die Magneten in mir, ziehen mich nur zu dir.
Es ist, als würde man gegen ein Naturgesetz verstoßen, weil man sich wehrt. Es ist so unnatürlich nicht da zu sein.

Ich kann mich nicht ablenken.

 

– Du bist meilenweit entfernt von Distanz.

 

Ich will weg.

Wann hört das auf?
Sag, wann hört das auf?

Das Schlimmste im Moment sind die kleinen Dinge. Ein Song, ein Gedanke, eine Idee, ein Kieselstein. Mein erster Impuls ist es, dies zu teilen. Und dann wird mir – obwohl ich die ganze Zeit an nichts anderes denke; wie paradox! – klar, dass es nichts mehr zu teilen gibt. Da wo du warst, klafft ein riesiges Loch, in das all diese Dinge fallen – und nichts hält oder fängt sie auf. Keine Reflexion. Freier Fall.

Was sind all diese Dinge noch wert, wenn man sie niemanden zeigen kann?

Meinetwegen können wir alles zerstören. Was haben Mond und Sterne noch für einen Sinn?
Nix ergibt mehr einen Sinn.
Sinnlos.

 

– Du bist meilenweit entfernt von Distanz.

 

Ich werde mir das Hirn rauszocken. Ich zocke um mein Leben. Real Life ist keine Option mehr. Ich werde so tief einsteigen, sodass ich an nichts anderes mehr denken kann, als an die Ladder. Items. Stats. Damagemeter Platz 1. Firstkill. Gamersuperstar. GZ!

Irgendwann ersetzten neue Gedanken die alten.

Ich will weg von hier. – Verstehst du?

Es hört nicht auf. – Fühlst du das, was ich fühle?

Keiner da, der mich raus holen könnte. – HOL MICH HIER RAUS!

 

– Du bist meilenweit entfernt von Distanz.

 

Jede Faser meines Körpers schreit: GEH ZURÜCK! Ich will diese Haut von mir runter kriegen. Will sie abreißen wie ein moderiges T-Shirt. Will aus mir weg. Ich will etwas anderes sein, als was ich bin. Will tun, was ein gesunder Mensch tut. Aber ich? Ich bin nur dieses Borderlinehäufchen. Irgendwas Zusammengekehrtes vom Boden aus Staub, Sand, Asche und Hundehaaren – ab und zu mal ein Glassplitter.

Du warst mein Glassplitter.

An dir habe ich mich geschnitten – und ich habe es so geliebt, Fuck! Wenn ich geblutet habe, war das so befreiend. Dein Stechen und Piksen = meine Motivation. Ich fühlte mich wie ein besserer Mensch, wenn ich tat, was ich tat.

 

– Du bist meilenweit entfernt von Distanz.

 

Ich wollte gehen, ohne zurück zu blicken. Die Brücken hinter mir abbrennen.
Kein Geheimgang.
Keine geheime Tür, die mich zu dir zurück bringt.
Seufz.
Aber ich wäre nicht ich, wenn ich meine Kameras nicht gut versteckt hätte.

Ich bin kein Mensch für großes Lebewohl an Bahnhöfen.

Ich steige einfach in mein Raumschiff, und lasse mich zu  einem anderen Planeten fliegen.

Ich muss meilenweit weg von hier. Ich brauche Distanz.

 

– Alter, du bist meilenweit entfernt von Distanz.

 

Ich richte mich zugrunde.
Im Augenblick will ich einfach nur sterben an irgendwas. Plötzlicher Hirntod klingt äußerst verlockend. Ich werde nach einer Klinik googeln, die es aus mir herausschneidet. Die ganzen Erinnerungen, die Verlinkungen, den Schmerz.
Ich frage mich, was dann noch von mir übrig bleibt.

Ich: ein rauchendes suchtgestörtes Häufchen Borderlineasche.

Kann nicht schlafen, ohne was zu nehmen.

Kann nicht träumen, ohne dich in der Hauptrolle.

Alp- und Wunschträume gehen Hand in Hand. Am nächsten Morgen erinnere ich mich an deinen Geschmack. Wie kann das sein? Ich komme mir manchmal vor, wie auf einer Interstelarreise. Wie wäre es sonst zu erklären, dich riechen zu können. Ich höre dich; ich sehe dich; in meinen Träumen rieche und schmecke ich dich.

 

– Du bist meilenweit entfernt von Distanz.

 

Heute Nacht trete ich die Sterne kaputt.

Wusstest du, dass du in Neuseeland ein komplett anderes Sternbild hast? Das klingt jetzt  im ersten Moment nicht so spektakulär, ich weiß. Aber stell dir mal vor, du guckst jeden Abend nach oben und es ist immer das Gleiche Bild. Sterne sind fix. Sie verändern sich nicht, wie der Wald vom Sommer zum Herbst, oder es werden Häuser auf ehemalige Wiesen gebaut – ein urbaner Umbruch -, ein Bach wird umgelenkt. Mais steht, Mais wird geerntet. Selbst der Mond und die Sonne bewegen sich. Aber die Sterne?! Nein. Die sind da, wo sie hingehören. Immer. Konstant und tröstlich.

Und auf einmal guckst du nach oben und du findest dich an einem Ort wieder, der so weit weg ist von Zuhause, dass sich der Himmel verändert hat!

Das fand ich krass.

Und du ahnst gar nicht, wie toll der Sternenhimmel war! Du musst es dir so vorstellen: der eisgraue Southpazifik auf der einen Seite und auf der anderen … nix. Keine Stadtlichter. Völlige Dunkelheit. Und du gehst einen Weg entlang und blickst nach oben und direkt über dir verläuft die Milchstraße. Ich dachte immer, man sagt das nur so, aber nein, sie ist wirklich eine Straße. Abermillionen winzige funkelnde Kieselsteine.

Kieselsteine … Outch.
Du warst mein Kieselstein.

 

– Du bist meilenweit entfernt von Dis-

SCHNAUTZE!!!, quatsch mir jetzt nicht dazwischen!

 

Ich wünsche mir den Tag herbei, wo ich dich aus meiner Tasche nehmen kann und dich zu den anderen zurücklegen werde – ohne, dass es mir das Herz zerreißt.

Ich kann dich nicht loslassen.

Ich schaffe das nicht.

Ich will dich nicht zurücklegen müssen.

Ich will dich nicht aufgeben.

 

Jetzt darfst du …

– Du bist sternenweit entfernt von Distanz.

 

Rauchen.

Ich muss mir eine scheuern, um wieder normal zu werden. Ich bin völlig verrückt geworden! Laufe auf und ab, tigere sinnlos umher. Das ist ja das schlimmste Borderlinedrama der ganzen verfluchten Welt. FUCK!  Das glaubt doch kein Mensch, diesen Irrsinn.

Zolpies – Zigaretten – Zoff.
Das ist mein Leben. Mein Körper schafft das nicht mehr. Mein Hirn erst recht nicht. ZzzzzZZZZzzzz .

Aus den Zolpies sind mittlerweile Diaz geworden. Ich bin so was von weggedröhnt – und dennoch spüre ich das alles. Wie kann es sein, dass diese Überdosis das nicht dämmen kann? Ich brauch‘ jetzt Abstand.

 

– Du bist meilenweit entfernt von Distanz.

Danke sehr! Fick dich!

 

Ich habe Stunden gebraucht, um zu realisieren. Und bin dann auf dem Boden der Realität gelandet. Mit dem Kopf zu erst. Ich glaub, ich habe mich dabei verletzt. Ich muss ein Aneurysma haben! Ja, das erklärt diesen ganzen Wahnsinn. Ich bin verletzt! Ich muss doch irgendwo bluten. Eine Eintrittswunde muss zu sehen sein. HILFE, ich brauche einen Arzt! Jemand muss mich nach inneren Blutungen scannen! Irgendwas muss da vorhanden sein, weil das hier gerade passiert.

 

– Du bist meilenweit entfernt von einem Aneurysma ….

 

Es loszulassen, ist das schwierigste in meinem Leben.

Ich habe mich schon oft getrennt von Dingen. Kein Problem. Wir kommen mit nichts auf die Welt, alles andere ist sowieso nur geleast.

Es jetzt loszulassen, ist das schwierigste in meinem Leben.

Das schwierigste, hörst du?

Lies es noch mal. Und nochmal. Brenn es dir ein.

FUCK!

DICH LOSZULASSEN IST, DAS SCHWIERIGSTE IN MEINEM GANZEN LEBEN!!!!

Ich bin meilenweit entfernt von Distanz.

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