Clownporno

Ich stelle den Motor aus. Ich habe Glück mit dem Parkplatz, ich sitze in der ersten Reihe. Ich gönne mir meine fünftausenste Zigarette. Klick-Klick-Ahhh. Ich nehme zwei Züge hintereinander. Es fließt durch meinen Körper, beruhigt die Nerven. Ich kann jetzt alles gebrauchen, was mich ruhig auf dem Sitz hält.

Auf einmal ist sie da.
Als wäre es das normalste der Welt.

Und dann ist da der andere.

»Heute ist Lerngruppe.«, klingt es noch nach. Nur, dass die Lerngruppe aus nur einem Typen besteht. Ich bin nicht überrascht. Sie lernt für die Matheklausur, indem sie die Arme um ihn legt. Sie ist ein Nähe suchender und körperbetonter Mensch. Ich bin das Gegenteil. Er drückt seinen Mund auf ihren. Schlampe, denke ich, meine es aber nicht böse. Ich muss grinsen, trotz all der Traurigkeit, die in dieser Szene liegt.

Der letzte Akt nimmt seinen Anfang. Er hält sie fest. – Das ist doch gut, oder?

Die CD ist drin. Ich drücke auf den Kopf am Lenkrad. Die ersten Klänge ertönen. Der Film beginnt in meinem Kopf. Ich steigere mich noch mal in jedes Gefühl hinein, welches ich je hatte. Zug um Zug. Neurose um Neurose.

 

Die Melodie hat mich. Sanft wie eine Katze tapst sie über meine Seele.

Ich werde so traurig wie noch nie in meinem Leben.

Ich lasse alles zu. Die ganze Palette an Ambivalenz. Es schlägt mir um die Ohren, wie eine Monsterwelle. Alles prasselt auf mich ein. Die Wucht drückt mich unter Wasser, bekomme keinen Sauerstoff mehr in die Lunge, ertrinke an Gefühlen.
Ich bin-
Ich kann-
Hilfe!

Nein, ich verschließe mich nicht. Lasse vielmehr los. Schnappe nicht nach Luft. Ich blocke nicht ab. Noch nie in meinem Leben, habe ich allen erlaubt, gleichzeitig herauszubrechen. Ich war mir nie sicher, ob mein Körper das aushalten kann, deswegen halte ich mich am Lenkrad fest, um eine Explosion zu verhindern.

Was ich zu sehen bekomme, ist verstörend wie ein Clownporno.
Ich schaffe es nicht, zu blinzeln.

Ich höre das Lied – wie versprochen –, rauche und beobachte sie dabei, was sie gerade im Begriff ist, zu tun.
Ich sitze ruhig da. Wie kann das sein? Wie schaffe ich das nur, diesen Eindruck zu vermitteln, ich würde ruhig dasitzen, obwohl alles in mir tobt? Es ist mir ein Rätsel.

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