boredo(o)m

free-polaroid-vectorLangeweile kriecht wie grauer Nebel an meinem Bein hoch. Ich kann ihn spüren. Es dauert nicht mehr lange, dann hat er mein Herz erreicht.
– Und was dann passiert, geht selten gut aus.

Ich muss tun. Was machen. Dagegen arbeiten.

Pillen. Nein.
Vodka. Nein. Absolut.
Ficken. Nein.
Ritzen. Nein.
Massenschlägerei. Nein.
Amoklauf. Ja, aber nein.
Therapeut anrufen. Nein.
Laufen. Nein.
Schlafen. Nein.
Glotze. Nein.
Buch. Ich kann nicht.

(Ach, fick dich.)

Ich halte aus.

Meine Zellen vibrieren. Sind unruhig. Wollen den Fick. Druck. Ich muss endlich in den verdammten Takt kommen, damit wir auf selber Ebene schwingen.
Einklang.
Ich fühl‘ mich so abseits von allem. An den Rand gedrückt.
Es ist okay, Leid und Verlust zu spüren. Es gibt Tage, da geil mich an dem Gefühl auf. Aber Langeweile ist die lebendig gewordene Hölle für mich: die graue Straße, Samstagnachmittag im Hinterland, die Sonne steht zu hoch, der Supermarkt und die große Uhr, dessen Zeiger sich nicht bewegen.

Ich muss hier raus!
(Hilfe.)
(HILFE!)

Ich denke zu viel.
(Hilf mir.)
(Hilf mir!)
(HILFE!)

Die Sonne wird schwarz. Überall Nebel. Überall Grau. Ich schalte die Scheinwerfer an, erzwinge auf diese Weise Licht. Leuchte die Welt aus. Überbelichtung . Mein Gesicht ist weiß. Synthetisch. Ich setze die Sonnenbrille auf.

Kleine graue Männer, mit Enterhaken statt Armen, klettern in meiner Kehle hoch. Sie wollen nach oben, ans künstliche Licht. Ich würge; ich will kotzen, damit es schneller geht; aber so funktioniert das nicht. Jeder dieser kleinen Pisser hat ein Namenschild: Frustration, Stolz, Zorn, Borderlinewut, Eskalation, Druck, Ablehnung, Kai-Uwe, Ficken#1, Ficken#2, Ficken#3, Furcht, Ehrlichkeit, Trotz, Überdruss …

Eine bizarre Dia-Show von Gedanken.

Nehmen Sie Platz!
Wir nehmen Fahrt auf.

Der Takt beginnt mit 110 beats per minute:

Atompilz. Apfelkerngehäuse. Biene landet auf Blüte. Löwenzahn. Pumpgun wird durchgeladen. Schneekönigin. Ich stehe im Wald; dunkel; beginne zu laufen; renne um mein Leben. Geburtstagstorte. Mütter mit Joker-Grinsen. Volle Kondome. Nackte verschwitzte Körper reiben übereinander. Ein offener Sarg. O2 ruft an und will wissen ob ich mit meinen Vertragsbedingungen zufrieden bin. Ich lege auf. (Hilf mir!) Frauen aus den 60ern an Schreibmaschinen. Mom’s Spaghetti. Dunkler Wald, ich laufe noch immer. Der Geruch von Pferden. Snuff. Gangbang. Bukkake. Die Nadel wird in die Vene gestochen. Jemand fällt in ein Teppichloch. Eine Spinne spinnt ihr Netz. Ich spinne auch. (Hilf mir!) Hurrikan-Festival. Wellen, die sich brechen. Obst schimmelt im beschleunigten Zeitraffer. Affen, die mit Scheiße werfen. Hula Hoop-Mädchen. YOU. Der Geschmack von Brausestäbchen auf der Zunge. Ein genervtes Polaroid von mir. Crashtestdummies, die explodieren. Sonnenaufgang. It’s real, the pain you feel. Ein Frühchen im Blumenkasten. Der Waldweg nimmt kein Ende, ich stolpere. (Hilf mir!) Blonde Haare im Wind. IKEA-Möbel. Luftballons. Waschmittelwerbung. Zebras. Bücher. Eine Madonna. Ein Schulmädchen. Eine Nutte. Wollknäuel. Penis. (Hilf mir!) Stau. Presslufthammer. Rasenmäher. Ein Song von Coldplay. Kotzeimer. Dein Parfum. Onlineshopping. Punk is dead. Klappmesser. Der Geruch von Lagerfeuer. BECKS. Lina-Sophia on board. Tinnitus. Die Hand bei der Fahrt raushalten. Luftzug. Luftwiderstand. Luftleerer Raum. Uhrzeiger, die sich ununterbrochen drehen. Eine Schneelawine. Disneyszenen. Löwe reißt die Antilope. Wüste. Grau. Schlauchboot. Wohnmobil. Fledermäuse. Coca Cola. Mulitkill: Ding!Ding!Ding! Grellblinkende Weihnachtsbäume. Stage Jumping. Volle Einkaufswagen. Anaphylaxie wegen beschissenen Soja-Schokopudding! Beileidskarten. (Hilf mir!) Eine Yacht. 110 BPM. Die Ankündigung eines Hitzegewitters. Winner, Winner, Chickendinner. Boxsack. Roundhousekick. Kickbann.

Ich schreie diese Worte! Worte sind Gedanken. Gedanken sind Gefühle. Gefühle sind Ich. Ich kann nicht mehr.

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