Borderlinedrama de luxe

DEFEKT!

Alter… ich dreh noch durch in diesem scheiß Kaff. Was muss passiert sein, dass die Sprechanlage bei McDonald’s kaputtgeht? Zu sehr reingeschrien? Hat ein verärgerter Kunde reingepisst?

»Defekt«, spreche ich das Offensichtliche laut aus.

»Gehst du rein?«

»Aber natürlich, Prinzessin. Du brauchst deine Pommes.«

»Gefällt mir«, sagt sie und grinst.

Ich fahre unverrichteter Dinge durch den Drive in, werfe funkelnde böse Blicke durch das Warenausgabefenster und parke mit quietschenden Reifen auf dem überfüllten Parkplatz. Das wird dauern, befürchte ich.

»Bis nachher.« Demotiviert stapfe ich durch den Schnee, um Madame ihre tägliche Pommesration zu erbeuten. Das Kind muss essen. Ich bin ja froh, dass sie überhaupt etwas ist – und wenns nur Pommes sind.

Als ich eine sehr sehr sehr lange Zeit später endlich wieder das Tageslicht sehe, habe ich ein ungutes Gefühl. Ich weiß nicht, was es ist, aber irgendwas stimmt nicht. Ich kann die negative Energie, die vom Auto ausgeht regelrecht spüren. War ich zu lange weg? Ja, natürlich. Aber ist es meine Schuld? Natürlich nicht. Kann ich doch nix dafür. Die soll froh sein, dass ich ihr Pommes geholt habe! Irgendwie bin ich schon im Verteidigungsmodus ohne zu wissen, wogegen ich mich wehren muss.

Das Gefühl verstärkt sich, als ich voll bepackt die Wagentür öffne. Eine giftgrüne Borderline-Ich-werde-zum-Hulk-Wolke wabbelt mir entgegen. Ich ahne nichts Gutes.

Als Einleitung reiche ich ihr den Milchshake, damit sie was zur Abkühlung in der Hand hat. Als nächstes lasse ich mich todesmutig in den Fahrersitz gleiten. Mein Hintern hat den Sitz noch nicht mal berührt, da geht’s auch schon los.

»Was ist das?«

»Das ist ein Smartphone.«

»Verarsch mich nicht!«

»Ich verarsche dich nicht. Das ist ein Smartphone. Was machst du mit meinem Smartphone in der Hand?«

»Du Wichser.«

Ja, ich Wichser.

Warum eigentlich?

»Was habe ich getan?«, verlange ich zu wissen. Ich will erst mal eine faire Gerichtsverhandlung, bevor ich vors Erschießungskommando geführt werde.

»Wer ist Natalie?«

Natalie? Keine Ahnung. Ich kann mir schlecht Namen merken. Aber irgendwas hat Natalie gemacht, was ihr gar nicht gefällt.

»Keine Ahnung«, antworte ich wahrheitsgemäß. »Kontext?«

Sie liest mir diverse Chatnachrichten vor.
Ah, ich erinnere mich.
Nicht gut.
Gar nicht gut.

Um sie zu beschwichtigen, reiche ich ihr die Pommes. Vielleicht stimmt sie das milder, wenn sie auf etwas rum kauen kann. Wütend reißt sie mir die Packung mir aus der Hand.

»Und dann wären da noch diverse andere Bitches: Eileen, Michelle, Yazmine, Diana-«

»Diana ist meine Schwester!«

»Eine andere Diana!!! Du hast hier zwei!«

»A-aber-«

»Schnauze!«

»Sophia, Swetlana, MARIE« – (Oha, sie wird ganz schrill) – »Anna-Lena, Jacqueline, irgendeine Tussi aus Mumbai, dessen Name ich nicht mal aussprechen kann!«

»Fans?«, erwidere ich ziemlich hilflos. In dem Moment fliegt mir mein Handy um die Ohren. Es knallt voll gegen die Scheibe hinter mir.

»Alter! Hast du sie noch alle?!«

»Alter!!! Hast du sie noch alle???« Ihr Schrillgrad wird noch eine Oktave höher.
Das ist nicht gut.
Gar nicht gut.
»Fickst du die auch?«

Zeit, für eine Gegenoffensive: »Was schnüffelst du überhaupt in meinem Handy rum?!«

Als Antwort bewirft sie mich mit den Pommes. Mit POMMES! Schon mal Salz im Auge gehabt? Jaha, ganz genau. Bevor sie den Milchshake auch noch wirft, versuche ich ihn ihr wegzunehmen. Ich habe kein Bock, das Zeug nachher von den Sitzen zu kratzen. Wir rangeln rum, wie zwei trotzige Kinder. Endlich kann ich ihn ihr entreißen. Im selben Moment tritt sie die Wagentür auf und stürmt nach draußen. Mit einem Knall feuert sie sie zu.

Ich bin etwas perplex und halte den Milchshake wie einen Pokal in der Hand. Ich schaue ihr durchs Fenster hinterher und sehe sie durch den gefrorenen Schnee stampfen. »Verdammte Psychobitch!«, schreie ich ihr nach. Das reicht noch nicht. Ich öffne das Fenster und werfe ihr den Milchshake hinterher. Aber sie ist schon zu weit weg, als dass er sie treffen könnte. Ich glaube, sie hat es nicht mal mitgekriegt, dass ich auf ihren blöden Kopf gezielt habe. Ich werfe noch ein »Scheißkuh!« nach. Sie dreht sich nicht mal um, sondern zeigt mir stattdessen den Fickfinger. »Fick dich selbst!«, kreische jetzt ich.

Oklahoma. Oklahoma. Oklahoma.

Weiß noch jemand, wie die Bombe in Oklahoma City 1995 hochging und über 800 Leute verletzte? 168 Menschen kamen damals zu Tode.

Dasselbe wird gleich hier passieren, wenn ich mich jetzt nicht beruhige. Das McDonald’s-Restaurant war gerappelt voll. Ich komm bestimmt auf 200 Opfer. 201, mit ihr. Ach, drauf geschissen: 202, mit mir. Erweiterter Selbstmord.

Ich bin stinksauer, als ich mir das Pommes-Massengrab um mich herum so anschaue. Ich könnte explodieren. In zig Millionen kleine Teile. Ach, Bullshit. Teile. Pffft. Von mir würde nur noch die Blackbox geborgen werden. Und zu sehen wäre Sie! Diese Borderlinebitch! Jeder Richter würde mich freisprechen und sie in die Forensische bringen. Ich stell mir vor, wie sie ihr Stromstöße verpassen und eine Lobotomie vornehmen. Mir geht’s schon besser. Ich stell mir vor, wie ich mir ihren Frontallappen anbrate (Scheiß auf vegan!) und mit Pommes bei Kerzenschein und gestärkter weißer Tischdecke serviere. Nein, noch besser: Ich lasse ihn mir von irgendeiner Natalie oder Eileen oder weiß-der-Geier-wen servieren. Dabei krieg‘ ich ’nen Blowjob und sie sitzt auf der Himmelswolke – ich meine, Schwefelwolke – und guckt mir dabei zu! HA!

Erst mal eine rauchen.

Scheiße! Sie hat die Kippen in ihrer beschissenen Handtasche. Ich gucke auf den Rücksitz und hoffe, sie dort vorzufinden. Pustekuchen. Kacke.

Ich schmolle vor mich hin – und denke mir noch ein paar Gewaltfantasien aus, wie ich ihr richtig-richtig wehtun kann. Irgendwie bringt mich das runter, wenn ich sie mir heulend und um Gnade bettelnd vorstelle. Ich sonne mich in dem Gefühl. Ich bin Autor – ich habe jede Menge Fantasie. Irgendwann bin ich soweit, dass ich sie vermisse.
Ich greife nach meinem Smartphone. Es sieht unbeschädigt aus, aber bleibt schwarz; es lässt sich nicht mehr hochfahren. Ich hätte gern nachgelesen, was sie so aus der Fassung gebracht hat. Was zur Hölle habe ich getan? Ich kann mich an nix schlimmes erinnern. Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Ich verstehe das ganze Drama gar nicht. Ich bin auf kein Angebot eingegangen. Ich habe immer versichert, dass ich glücklich vergeben bin und nie irgendwelche Türen geöffnet. Ich habe nicht geflirtet, da bin ich mir ziemlich sicher. Naja, ein wenig vielleicht doch… Aber meistens antworte ich ja nicht mal! Nein, ich bin unschuldig. Die triggert. Die spinnt. Die fährt irgendeinen konfusen Film, den nur sie sehen kann.

Ich drücke auf den Startknopf und das Auto springt an.

Ich suche sie jetzt und will wissen, was sie sich da einbildet! Plan steht. Abfahrt!

Ich lenke vom Parkplatz und schmeiße vereinzelte Pommes aus dem Fenster. Ich könnte eine Spur auslegen und hoffen, dass sie von sich alleine zurück zu mir kommt … pfffft. Jetzt muss ich selber lachen. Im Leben nicht. Ehr friert die Hölle zu.
Ich wette sie ist Richtung Bahnhof. Frauen stehen auf Bahnhof-Abschiedsszenen in Rom-Coms oder Hinterher-Renn-Szenen auf Flughäfen, sonst gäb es nicht so viele von ihnen. Flughafen ist nicht in der Nähe, also wird’s der Bahnhof werden, wo sie heulend in der Ecke sitzt. Ich versuche mich zu orientieren. Hoffnungslos. Ich habe keine Ahnung, wo ich lang muss. Ich habe null Orientierungssinn, wenn ich am Steuer sitze. Ich fahre rechts ran und fummel am Navi rum. Ich gebe »zu Fuß unterwegs« ein, damit ich ihre Stecke abfahren kann. Der Weg führt durch ein Industriegebiet. Sehr gut. Es ist Samstag und dort hört sie niemand schreien …

Ich fahre eine ganze Weile, dann sehe ich sie.

Sie stampft oder raucht nicht mehr, sondern sieht eigentlich ganz normal aus. Lass dich nicht täuschen, Mars, die tut nur so. Wie sie da so gemütlich lang schlendert: Als ob nix gewesen wäre. Friedlich und unschuldig. Ich merke, wie sich die Wut wieder in mir aufbaut. Erst macht sie so ’ne riesen Szene und jetzt spaziert sie hier friedlich durch die Weltgeschichte. Die heult ja nicht mal! Das regt mich am meisten auf. Na, warte …
Ich drücke aufs Gaspedal, um ihr dann bei der nächsten Einfahrt den Weg abzuschneiden, und eine Vollbremsung vom Feinsten hinzulegen. Wenn Hollywood, dann bitteschön richtig. Ich fühl‘ mich wie Vin Diesel und mache den Tokio Drift – auch wenn Vin Diesel in dem Teil nicht mitspielt; jaja; Blah-Blah; ich weiß.

Erschrocken guckt sie mich an. Dann verengen sich ihre Augen und funkeln trotzig. Das kann ich auch. Aufgebracht reiße ich die Tür auf. Ich haue ihr sie fast gegen das Knie. Sie springt einen Satz zurück. Richtig so, hab Angst! »Du, Fräulein, setzt dich jetzt schön wieder in den Wagen und erklärst mir, was eigentlich los ist!«

Sie balanciert ihr Gewicht auf die eine Seite des Körpers; das von mir aus gesehene rechte Bein spöttisch lasziv nach vorn gestreckt. Ganz so, als müsste sie sich gar nicht erst gegen mich wehren; als ob ich ihr egal wäre! Herablassend verschränkt sie die Arme vor der Brust und reckt das Kinn vor. Kalt und abschätzig blickt sie mir geradewegs in die Augen. Ich kann ein Fick dich draus lesen, Was willst du schon machen. Mich zwingen? HA!, ich lach mich tot über dich. – Jetzt fahre ich einen Film. Sie macht mich aggressiv. Es erinnert mich an… Oklahoma, Oklahoma, Oklahoma. Scheiß auf Oklahoma! Das hier wird 9/11.

Ich packe sie mir, drehe ihre Arme auf den Rücken und drücke sie gegen das Auto. »Hast du sie noch alle?!« schreit sie und tritt nach mir.

»Beruhig dich«, sage ich immer wieder, »Beruhig dich.« Ich weiß nicht, ob ich sie oder mich damit meine, während ich sie mit eisernem Griff fixiere.

»Lass! Mich! Los!«, verlangt sie.

»Nein.«

»Auf der Stelle!«

»Erst wenn du dich beruhigt hast.« – Und ich mich auch.

Sie versucht sich aus meinem Griff zu winden. Dreht sich zur einen, dann zur anderen Seite. Rutscht mit ihrem Arsch hin und her. Immer wieder tritt sie aus, um mich irgendwie zu treffen, damit ich loslasse. Aber ich lasse nicht los, da kann sie noch so sehr wüten. Auf einmal trifft mich ein Luckypunsh genau vors Schienbein. Weiße Schmerzblitze zucken durch meinen Körper. Mir wird übel. Ich könnte auf der Stelle heulen. Ich könnte laut schreien. Mir schießt das Wasser in die Augen, so sehr tut es weh. Verdammte …

Der Schmerz ist allgegenwärtig. Er frisst mich auf. Zur Hilfe! Ich krieg‘ ne Panikattacke! Sie trägt keine niedlichen Ballerina oder Flipflops. Nein, es sind Boots. BOOTS! Ich war dabei, als sie sie gekauft hat. Ich habe ihr dazu geraten, weil es einfach ultra sexy aussah, zu ihren engen schwarzen Jeans. Ich könnte grad richtig kotzen. Was für eine Scheißidee. Das hab ich jetzt davon. Ich will ihr ebenfalls wehtun! Ich drücke sie fester an das Auto, damit es mir frontal dabei hilft, diese Furie in Zaum zu halten.

»Fuck, fuck, fuck!«, rufe ich, weil’s einfach nicht aufhört wehzutun. Ich habe das Bedürfnis mir den Schmerz vom Schienbein zu streicheln. Wie kann ein Tritt nur so qualvoll sein?

»Na, tut’s wenigstens weh?«, zischt sie.

»Weiß nicht, wovon du redest.« Aua, aua, aua. Okla-fick dich-homa.

»Was ist nur los mit dir?«, will ich wissen.

»Fickst du diese Schlampen?«

Hat die ein Rad ab? Ich frage mich rational, wann und wie ich das bitte noch anstellen soll. Selbst wenn ich wollte, hätte ich gar keine Zeit dazu. Und das weiß sie auch. Wie kommt sie auf so depperte Ideen?

»FICKST DU SIE?!«

»Nein, um Gotteswillen!«

»Warum nicht? Du hast tausend Angebote! Ich hab‘ alles gelesen!«

Ich weiß nicht, was sie da gelesen hat – und Tausende sind es auch nicht.

»Weil ich dich will«, entgegne ich leidenschaftlich. Mein Bein schmerzt und diese Diskussion ergibt so wenig Sinn wie Horoskope.

»Dann fick mich.«

Was?!

»Ähm. Was?«

Ich traue meinen Ohren kaum. Auf einmal ist sie still. Ich habe gar nicht gemerkt, wie ihre Wehr nachgelassen hat. Sie ist ganz ruhig – zu ruhig. Was geht hier vor? Mit einem Mal merke ich, wie sich ihr Arsch gegen meinen Schritt drückt. Ich glaub‘, ich spinne. Dass kann doch nicht ihr Ernst sein! »Du willst, dass ich dich ficke? Jetzt? HIER

»Ja.« Es ist ganz leise. Nach dem ganzen Geschrei und Gezeter kommt es mir wie ein Flüstern vor. Ich löse mich langsam und vorsichtig von ihr. Sie bleibt in Position. Ich traue dem Braten nicht, trotzdem gehe ich ein Stück zurück, um ihr wieder Freiraum zu gewähren. Sie geht einen Schritt nach rechts und öffnet die hintere Wagentür des Autos. Dann dreht sie sich um. Ihr Gesicht hat sich verändert. Sie lässt sich auf die Rückbank gleiten, als wäre es das Normalste der Welt in dieser Situation.
Ich kann nicht anders und will mitmachen.
Meine Wut ist verraucht. An ihrer Stelle steht jetzt ein ganz anderes Verlangen. Sie rutscht bis ans hinterste Ende der Rückbank und beginnt damit, ihre Hose zu öffnen und sich die Jacke auszuziehen. Ich denke nicht mehr länger nach und öffne meinerseits meine Hose. Ich stürze mich regelrecht auf sie und dränge ihr meine Zunge in den Hals. Zu meiner Überraschung heißt sie sie willkommen. Sie klammert sich um meinen Hals, fährt mir durch die Haare. In der verdammten Enge des Wagens versuche ich ihr irgendwie die Hose über den Arsch zu ziehen. Sie ist mir mit einer Hand behilflich und gemeinsam schaffen wir es, sie freizulegen. Sie trägt kein Höschen. Bei dem Wetter! Bei Minustemperaturen! Obwohl es nicht zu mir passt, erregt mich dieser Gedanke. Als ob sie das alles geplant hätte. Im nächsten Augenblick stoße ich in sie hinein. Sie ist nass und saftig und ihre Beengtheit umschlingt mich. Ich stoße mich an irgendwas ab und treibe meinen Schwanz tief in sie rein. Sie stöhnt und wimmert ein »Fuck…«, was mich nur noch mehr anheizt. Mit kurzen heftigen Stößen bringe ich sie Richtung Höhepunkt. »Fick mich! Fick mich! Fick mich!«, keucht sie mir im Takt ins Ohr.

Ich ficke sie hart und schnell. Sie wird lauter, verengt sich und kratzt mir über den Rücken. Ich registriere, wie sie mich beißt. Ich explodiere gemeinsam mit ihr. »Oklahoma«, wispere ich, ehe ich in tausend Teile zerspringe.

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